Whitebird

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YouTube: 1. Land verbietet nicht-überspringbare Werbung per Gesetz
Endlose, nicht überspringbare Werbeclips vor und während Videos zehren an den Nerven vieler YouTube-Nutzer. Ein Land greift nun hart durch und verbietet per Gesetz Werbeunterbrechungen, die länger als fünf Sekunden sind und nicht weggeklickt werden können.
Felix Krauth,
09.01.2026 10:16 Uhr
Schluss mit langen Zwangspausen
Werbung auf YouTube und deren Blockierung ist ein ewiges Thema. Erst im November startete die Plattform ein weiteres Update gegen Werbeblocker nachdem man eingebrochene Zuschauerzahlen auf die Drittanbieter-Tools geschoben hatte. Doch die Regierung in Vietnam erlässt jetzt als erste weltweit strenge Vorschriften für die Reklame auf Googles Plattform und Online-Werbung allgemein, die den Geduldsfaden von Internetnutzern erheblich schonen dürften.
Ab dem 15. Februar 2026 müssen für Nutzer in dem südostasiatischen Land Videowerbung und bewegte Bildsequenzen auf allen Online-Plattformen spätestens nach fünf Sekunden überspringbar sein. Damit positioniert sich Vietnam als Vorreiter im regulatorischen Eingriff in die Werbemechaniken globaler Tech-Konzerne. Das erklärte Ziel ist die Eindämmung der aktuellen Praxis, bei der Nutzer oft gezwungen sind, zwischen 15 und 30 Sekunden lange Clips vollständig anzusehen, bevor sie zum eigentlichen Inhalt gelangen.
Diese Regelung betrifft nicht nur klassische Video-Streaming-Dienste wie YouTube, sondern die gesamte Bandbreite digitaler Werbung auf mobilen Endgeräten und Desktops. Auch sogenannte Pop-up-Ads, die sich über redaktionelle Inhalte legen, werden strenger reguliert. Sie dürfen den Bildschirm nicht mehr verdecken, ohne dass ein sofortiges Schließen möglich ist. Irreführende "Schließen"-Buttons, die oft winzig gestaltet sind, oder Mechanismen, die den Nutzer zum Warten zwingen, bevor eine statische Anzeige entfernt werden kann, sind unter den neuen Bestimmungen explizit untersagt.
Harte Regeln für Plattformbetreiber
Wie die englischsprachige Tageszeitung Vietnam News berichtet, beschränken sich die neuen Gesetze nicht allein auf die Anzeigedauer. Das entsprechende Dekret fordert zudem deutlich mehr Transparenz und Kontrollmöglichkeiten für die Endanwender. Plattformbetreiber müssen demnach klar erkennbare Optionen bereitstellen, mit denen Nutzer unerwünschte Werbung ablehnen oder technische Probleme sowie rechtswidrige Inhalte direkt melden können. Der Gesetzgeber zielt hierbei insbesondere auf grenzüberschreitende Plattformen ab, die bisher oft in einer rechtlichen Grauzone operierten.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Reaktionszeit bei Verstößen. Werden illegale Werbeanzeigen durch das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus oder andere zuständige Behörden gemeldet, müssen Werbetreibende und Plattformen diese Inhalte binnen 24 Stunden entfernen. Kommen sie dieser Aufforderung nicht nach, drohen weitreichende technische Blockaden. Auch Telekommunikationsunternehmen und Internetprovider werden per Gesetz in die Pflicht genommen, den Zugang zu solchen Inhalten im Bedarfsfall kurzfristig zu sperren, um die Verbreitung zu unterbinden.
Das Dekret zielt auf alle großen Akteure und sozialen Netzwerke ab, darunter YouTube, Facebook, TikTok und X. Besonders für YouTube, wo das Geschäftsmodell stark auf Werbung vor und während der eigentlichen Video-Inhalte basiert, dürfte die Umstellung technische Anpassungen erfordern. Das beliebte Format der "Bumper Ads", die sechs Sekunden lang sind und nicht übersprungen werden können, würde in der aktuellen Form gegen die neue Fünf-Sekunden-Regel verstoßen. Kritiker spekulieren, dass die Plattformen als Reaktion jedoch die Frequenz der Werbung erhöhen könnten. Statt eines langen Spots würden Nutzer dann womöglich mit mehreren fünfsekündigen Clips in Folge konfrontiert.
Deutsche Rechtslage im Vergleich
Ein derart direkter Eingriff in die Produktgestaltung wäre in Deutschland aktuell nur schwer vorstellbar. Zwar reguliert der Medienstaatsvertrag Werbung hinsichtlich Kennzeichnung und Jugendschutz, und auch der Digital Services Act der EU geht gegen manipulative Designs vor. Eine gesetzliche Festlegung, nach wie vielen Sekunden ein privates Unternehmen seine kostenlosen Inhalte freigeben muss, würde hierzulande jedoch vermutlich mit der unternehmerischen Berufsfreiheit kollidieren. Solange Werbung als "Währung" für kostenfreien Content dient, gilt weitgehend das Prinzip von Angebot und Nachfrage, sofern keine anderen Tatbestände wie etwa Sittenwidrigkeit vorliegen.
Milliardengeschäft Werbung
Der Vorstoß Vietnams erfolgt vor dem Hintergrund eines ständigen Katz-und-Maus-Spiels zwischen Plattformen und Nutzern, die Adblocker einsetzen. Werbung bleibt die Haupteinnahmequelle für die sogenannte Creator Economy. Google gab an, in den vergangenen vier Jahren rund 100 Milliarden Dollar an Künstler, Creator und Medienunternehmen ausgezahlt zu haben. Ob die strikte Regulierung in Vietnam als Blaupause für andere Länder dient oder lediglich zu einer stärkeren Fragmentierung der Werbeblöcke führt, bleibt abzuwarten.
quelle: winfuture.de
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