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Neue DMCA-Meldungen der FIFA sorgen für Verwunderung
23.06.2026 von Lars Sobiraj
Dubiose DMCA-Meldungen im Namen der FIFA werfen Fragen auf. Steckt eine KI, ein Dienstleister oder ein konkurrierender Pirat dahinter?


Während die FIFA mit der laufenden Fußballweltmeisterschaft Milliarden verdient, laufen im Hintergrund zahlreiche DMCA-Meldungen gegen die illegale Konkurrenz, die die Spiele übertragen. Wie die Kollegen von Torrentfreak berichten, tauchten kürzlich merkwürdige DMCA-Meldungen auf, die angeblich selbst vom „FIFA World Cup“ stammen sollen.

Die DMCA-Löschanträge veröffentlichte die Lumen Datenbank. Das ist eine von der Harvard Universität betriebene Transparenzplattform zur Aufdeckung von Copyright-Beschwerden. Dort finden sich Dutzende Anträge an Google. Die Suchmaschine soll verschiedene Streaming-Portale aus den Suchergebnissen entfernen.

Ungewöhnliche Formulierungen und juristische Fehler wecken Zweifel

Teile der Beschwerden klingen sehr sperrig und sind sogar teilweise falsch. Den betroffenen Webseiten wirft man unter anderem vor, sie würden „nicht autorisierte Markenkonfigurationen“, „proprietäre digitale Layout-Elemente“ oder „markenrechtlich geschützte Medienrahmen“ verwenden. Man habe damit offizielle FIFA-Angebote nachgeahmt, heißt es in den Meldungen.

Juristisch gesehen ist das widersprüchlich. Die Begriffe stammen überwiegend aus dem Markenrecht, doch es geht hier um Löschungen aufgrund von Verletzungen des Copyrights, also des Urheberrechts. Das kann man eigentlich nicht vermischen.

Noch merkwürdiger werden die Schreiben durch die Nutzung von Begriffen wie „programmatische Indexierungsmatrizen“, „automatisierte Datenbank-Scraper“ oder „verschleierte Linkstrukturen“. Das klingt sehr KI-generiert und künstlich. Siehe auch der Screenshot unten.




Stammen die Beschwerden der FIFA von einer KI?

Der Verdacht liegt nahe, dass Unbekannte die Texte zumindest teilweise automatisiert erstellt haben. Ein Test mit dem KI-Erkennungstool Pangram besagt, dass beim Schreiben wahrscheinlich gar kein Mensch beteiligt war. Vor allem die ungewöhnliche Wortwahl erweckt den Eindruck, dass die DMCA-Beschwerden nicht den üblichen Standards professioneller Anti-Piraterie-Dienstleister entsprechen. Die FIFA lässt regelmäßig gegen die Verletzungen ihres Urheberrechts vorgehen. Im Vergleich dazu wirken die angeblichen FIFA-Meldungen amateurhaft.


Forderung nach kompletter Löschung aus dem Index

Was man dann fordert, ist der Traum eines jeden Rechteinhabers. Nicht die URL soll Google rauswerfen, sondern die komplette Domain mit allen damit verbundenen Einträgen in der Suchmaschine. Und das dauerhaft, versteht sich.

Das wäre höchst unüblich. Google entfernt zwar in bestimmten Fällen komplette Domains. Aber nur wenn es dafür beispielsweise gerichtliche Sperrverfügungen gibt. Reguläre Einreichungen verlangen im Regelfall nur die Entfernung einzelner Inhalte oder einer URL.

Von den merkwürdigen Löschanfragen sind Domains wie beststreameast.xyz, falconstreams.net, footybite1.live, streameastnow.net, streamiz.click oder us-sport.eu betroffen. Doch Google ist auf die Löschung der kompletten Domain bislang nicht eingegangen.


Was hat die FIFA mit der NBA, NFL und Formel 1 zu tun?

Dann wird es skurril. Es geht nicht nur um Fußball oder FIFA-Inhalte, sondern um Streaming-Angebote, die mit dem Weltfußballverband gar nichts zu tun haben. Die Löschanträge führen Inhalte auf, die aus der NBA, NFL, Formel 1, WWE und anderen Sportarten stammen. Daran besitzt die FIFA aber gar keine Rechte.

Das sieht eher danach aus, als wenn jemand gerade versucht, einen unliebsamen Konkurrenten mithilfe der ominösen Löschanträge aus dem Netz zu fegen.


Konkurrenzkampf unter Piraten als mögliche Erklärung

Bislang hat die FIFA auf die Presseanfrage unserer Kollegen nicht reagiert. Daher bleibt offen, ob die Organisation selbst, ein externer Dienstleister oder jemand ganz anderes hinter den Beschwerden steckt. Wahrscheinlich letzteres.

Eine denkbare Erklärung wäre ein gezielter Missbrauch der Marke FIFA. Es gab schon ab und zu Fälle, bei denen Betreiber illegaler Streaming-Portale versucht haben, ihren Konkurrenten auf diese Weise zu schaden. Sie gaben sich bei Google einfach als Rechteinhaber oder berechtigte IT-Dienstleister aus, die wichtige URLs gelöscht haben wollten.

Die Kombination aus der sperrigen Sprache, der Vermischung von Marken- und Urheberrecht, der Einbeziehung aller möglichen Sportarten und der Forderung einer Löschung aller Einträge einer Domain lässt vermuten, dass hier kein Profi am Werk war.


Transparenz bleibt dringend notwendig

Der Fall zeigt einmal mehr die Schwächen automatisierter oder nur oberflächlich geprüfter Löschverfahren, wenn sich die Fälle überhaupt je ein Mensch angesehen hat? Wenn es so einfach ist, sich im Namen einer bekannten Organisation wie der FIFA an Google zu wenden, um die Sichtbarkeit der Konkurrenz zu reduzieren, so besteht ein massives Missbrauchsrisiko.

Unabhängig davon müssten die Anträge von den Suchmaschinenanbietern umfangreicher geprüft werden, um jeglichen Missbrauch auszuschließen. Doch das werden sie nicht tun, weil sie das bei der Masse an DMCA-Meldungen, die jeden Tag eingereicht werden, viel Geld kosten würde.

quelle: tarnkappe.info

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